Kommt und seht

Ein Gedanke für die Woche 28. Juni – 06. Juli 2025

Unser Dorf ohne Kirche!?

Immer und immer wieder höre ich Aussprüche ähnlich diesem: „Ich kann mir unser Dorf ohne die Kirche nicht vorstellen“ – gemeint ist dabei das Kirchengebäude, nicht die kirchliche Gemeinde. Dabei stehen beide in unmittelbarer Abhängigkeit zueinander. Ohne lebendige Gemeinde brauchts kein Kirchengebäude im Ort. Zu provokant? Nein, realistisch!

Schauen wir uns doch mal um: Die katholische Kirche steckt in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise. Zugleich ist eine zunehmende Entkirchlichung der Gesellschaft zu beobachten – auch bei uns, am ach „so katholischen Niederrhein“!  Das wirkt sich aus auf die Lebensrealitäten und auf die Lebensdeutungen der Menschen. Sogenannte Brückentage sind bedeutsamer als der veranlassende kirchliche Feiertag. Verstopfte Autobahnen sind der Beweis. Was ist unser – dein persönliches Bild von Kirche? Findet „Kirche“ nur im Kirchengebäude statt? Ist das alles? Putzen wir doch mal die Brillengläser und stellen uns als Kirchengemeinde der Öffentlichkeit vor!

Auf eine verantwortliche Person der evangelischen Diakonie geht folgender Satz zurück: „Die Kirche hat eine Zukunft, wenn sie sich diakonisch engagiert und profiliert.“ Auf die katholische Kirche und die Caritas übertragen heißt das so viel wie: „Caritas ist Zukunft der Kirche“ oder „Kirche wird als Caritas Zukunft haben“. Das heißt: „Liebe und Barmherzigkeit müssen deren Gesicht nach innen und nach außen sein.“

Jetzt werden einige sich beruhig zurücklehnen und ich höre die Sätze: „Haben wir doch, da ist doch die häusliche Pflege und die Sozialberatung der Caritas.“ Ja, haben wir – aber das ist der „beruflich“ tätige Caritas-Verband. Und ansonsten ist da angeblich die staatlich getragene soziale Hängematte… Ein Blick in die Wirklichkeit – auch in Elten und Hüthum - zeigt, dass diese Hängematte große Löcher aufweist. Ja, wir haben die segensreiche Einrichtung „Gemeinsam am Tisch“, ja, wir haben den Mahlzeitendienst im Bereich Elten, ja, wir geben Lebensmittelgutscheine aus, betreuen und begleiten viele Menschen – aber: Es genügt nicht, uns auf ehrenamtliche Dienste der Barmherzigkeit zu beschränken, denn damit ändern wir nichts an den Ursachen von Armut. Es genügt auch nicht, uns auf die seelsorgliche Begleitung von Menschen in Not zu beschränken. Wir müssen erlebt werden, wie wir als Glieder der christlichen Gemeinde konkret anpacken, um Not zu lindern und Hilfe zu gewähren.

Es hängt von unserem glaubwürdigen Engagement ab, durch das das Miteinander der Menschen und ihre Zuversicht geprägt werden. Das bedeutet: In der Nachfolge Christi öffentlich Zeugnis zu geben: „Mir nach, spricht Christus, unser Held“! (Gotteslob Nr. 461)

 

Manfred Wiskamp, Diakon em.

 

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